Robert und Stefan – zwei Berater bleiben im Gespräch

DSC_0013Wir Zwei sitzen gegenüber. Ich halte ein Weinglas in der Hand, schwenke es. Das tiefrote Raureif kreiselt und hinterlässt träge, zähflüssige Schlieren am Glas – ein Zeichen für Qualität. Er blickt mich schweigend an. Meine Gedanken sind irgendwo. Soweit weg, dass ich selbst nicht weiß, woran ich gerade denke.

Er: Du-u, Stefan?
Ich: Hm?
Er: Du-u?
Ich: Ja, Robert. Was gibt’s?
Er: Wie schaut’s eigentlich mit den Absatzzahlen?
Ich: Robert, um das brauchst du dich nicht zu kümmern.
Er: Was heißt, immerhin geht’s in Zwölf Senkrecht um mich.
Ich: Stimmt, aber der Buchverkauf ist trotzdem meine Angelegenheit.
Er:

Ich nehme einen Schluck. Versuche die Geschmackseindrücke voneinander zu trennen.

Er: Stefan?
Ich: Ja, Robert?
Er: Vielleicht brauchst’s ein Absatzkonzept.
Ich: Warum das?
Er: Na, wenn der Verkauf so schleppend läuft – vielleicht musst du da mehr kurbeln.
Ich: Wer sagt, dass das schleppend geht?
Er: Du hast dein Passwort im Apple Schlüsselbund gesichert, ich hab mich bei neobooks eingeloggt und mir die Statistiken angesehen. Wir sind noch dreistellig …
Ich: Robert, für dreistellig muss ich mich verstecken, das ist schließlich mein Erstling.
Er: Du musst bis zu 50.000 Bücher verkaufen, damit sich das für uns ausgeht.
Ich: Muss ich gar nicht. Das ist mein Hobby. Jedes verkaufte Buch ist toll.
Er: Stefan, wenn wir uns zwei, drei Stunden zusammensetzen, können wir ein schönes Konzept zusammenbasteln.
Ich:

Er: Stefan, komm schon. Lass‘ uns was tun, ich will nicht in die Bedeutungslosigkeit zurück.
Ich: Robert, du bist nicht bedeutungslos. Du bist mir wichtig.
Er: Was ist denn deine Vision mit mir, mit dem Buch? Wie könntest du das Ziel denn dann operationalisieren? Was können wir denn tun, um das zu erreichen?
Ich:

Er: Stefan, wir sind doch beide in der Beratung. Du weißt, wie wichtig eine Struktur, ein Konzept, …
Ich: Ein Logical Framework – das hast du von mir.
Er: Die Romanfigur fällt nicht weit vom Stamm.
Ich:
Er:

Wieder ein Schluck. Ich stelle das langstielige Glas zurück auf den Tisch.

Ich: Also, mein Gefühl sagt …

Ich nehme mein schwarzes Notizbuch zur Hand und beginne zu strukturieren.

Ausverkauft bei der After-Work-Lesung

Wieder ein Wechselspiel aus Licht und Schatten, aus Genuss und Kultur. Aus Lesung und Musik. Die After-Work-Veranstaltung in der Wolfgang Bayer GmbH von mir – Stefan Karl – und Bianca Ortner verfolgten mehr als 40 Kunden und Freunde … und wir konnten sie an diesem bitterkalten Winterabend begeistern.

Bianca ist in mehreren Bands unterwegs und ergänzte die Leseproben perfekt – die manchmal nachdenklich-traurigen, manchmal mit Augenzwinkern hinterlegten Texte aus meinem Roman Zwölf senkrecht: einer Seelenverwandtschaft des Buchs und von Biancas Musik gleich …

Im Anschluss an die beiden Acts wurden die Lichter der Stadt (und des Büros) vom Schummerlicht wieder in den Arbeitsmodus hochgefahren – ein Abend zum Genießen, Plaudern, Lachen, Netzen und einander Kennenlernen …

Danke allen für einen perfekten Abend, an dessen Ende noch ganze zwei Taschenbücher übrig blieben. Wenn jemand eins davon möchte: immer gern. Anruf oder Mail genügt.

Ein Danke an Raureif für den Aperitiv …

Autorenlesung, die Erste: ein Abend im Gründling

Katsdorf. Das Gründling ist gut besucht. 20 Uhr. Schummriges Licht. Das Piano setzt ein – das Saxophon hebt an. (Teile von) Schablonski leiten meinen ersten 12senkrecht-Leseabend ein. Ich genieße die einleitende Jazz-Nummer, das Lokal ist abgedunkelt – The Audience is listening. Ich sitze vor meinen knappen Regieanweisungen, den Leseproben. Öffne den Schraubverschluss zu meinem Getränk und lasse das purpurrote Raureif in mein Weinglas laufen. Die Musik endet, ich betätige den Taster meiner Leselampe – Lights on. Start in die erste Lesung …

1983, Sommer. Insgesamt vier Leseproben, Überleitungen und Musikstücke und etliche Fragen der  Besucher später geht der Abend off-records weiter – bis spät in den Abend hinein: gefesselt vom Kreuzworträtsel, das ich gegen Schluss der Lesung an alle Teilnehmer verteile …

 

Eine Lesung ist schon noch einmal etwas besonderes. Die Reaktionen der Besucher gehen unmittelbarer an den Autor. Das Gründling war gut besucht – wiewohl ich mit gleich zwei Kabarett-Hochkarätern in der näheren Umgebung schon fast übermächtige Konkurrenz hatte. Kurzum ein wundervoller Abend, für die Gäste, die Wirte und mich. Eine mehr als stimmige Atmosphäre aus Texten, Musik, Kulinarik und Gesprächen. Gerne wieder, immer wieder, überall wieder. 🙂