12senkrecht vs. Kicker’litzchen

12senkrecht ist das „Eine“ – das erste, das Debüt. Das kennen wir bereits. 🙂

Kicker’litzchen sind etwas ganz anderes, Kicker’litzchen sind der Versuch, mit einem Augenzwinkern Kurzgeschichten aus dem Fußball zu erzählen: aus dem Amateurfußball und dem Profigeschäft, so wie sie mir zugetragen werden, so wie sie mir erscheinen. So wie ich sie erlebe, und andere sie erleben. Kicker’litzchen gibt’s nicht als Buch, sie sind online und „ablesbar“ auf http://www.story.one.

Kicker’litzchen – Gut vorbereitet 1

Viel Spaß!

Autorenlesung, die Erste: ein Abend im Gründling

Katsdorf. Das Gründling ist gut besucht. 20 Uhr. Schummriges Licht. Das Piano setzt ein – das Saxophon hebt an. (Teile von) Schablonski leiten meinen ersten 12senkrecht-Leseabend ein. Ich genieße die einleitende Jazz-Nummer, das Lokal ist abgedunkelt – The Audience is listening. Ich sitze vor meinen knappen Regieanweisungen, den Leseproben. Öffne den Schraubverschluss zu meinem Getränk und lasse das purpurrote Raureif in mein Weinglas laufen. Die Musik endet, ich betätige den Taster meiner Leselampe – Lights on. Start in die erste Lesung …

1983, Sommer. Insgesamt vier Leseproben, Überleitungen und Musikstücke und etliche Fragen der  Besucher später geht der Abend off-records weiter – bis spät in den Abend hinein: gefesselt vom Kreuzworträtsel, das ich gegen Schluss der Lesung an alle Teilnehmer verteile …

 

Eine Lesung ist schon noch einmal etwas besonderes. Die Reaktionen der Besucher gehen unmittelbarer an den Autor. Das Gründling war gut besucht – wiewohl ich mit gleich zwei Kabarett-Hochkarätern in der näheren Umgebung schon fast übermächtige Konkurrenz hatte. Kurzum ein wundervoller Abend, für die Gäste, die Wirte und mich. Eine mehr als stimmige Atmosphäre aus Texten, Musik, Kulinarik und Gesprächen. Gerne wieder, immer wieder, überall wieder. 🙂

1983, Sommer

Ich zwinkere. Für einen kurzen Augenblick bleibt alles still. 

Ich zwinkere nochmals. Ich fliege, lande. Ein dumpfes Geräusch – ein Pfloff fast wie im letzten Asterix-Band während einer Keilerei mit den Römern.

Zuerst ein dumpfer Aufprall, dann ein Knacksen. So wie eines dieser dürren Fichtenästchen, wenn ich darauf trete. Ein zerbrechliches Knacksen. Beinahe wie das Weinglas, das ich letzte Woche beim Abtrocknen etwas zu fest gedrückt hatte. Als ich Mama bei der Abwasch half.

Ein Aufprall, das Knacksen. Jetzt geht das Gewimmere los.

 

Im Halbdunkel liegend blicke ich unter mich. Während der Aufprall eindeutig unterhalb von mir war, bin ich mir beim Knacksen nicht sicher. Was ist zerbrochen. Etwas da gleich unter mir, etwas bei mir? In mir?

Egal. Das Klagen kommt jedenfalls aus zehn, fünfzehn, zwanzig Zentimetern Nähe, tiefer. Es ist unerträglich. Nicht unerträglich laut, nein. Aber unerträglich nah. Unerträglich er.

Ich stemme meine Arme in den Stütz, mühsam. Ich versuche mich mit Schwung zu erheben. Wieder ein Augenblick scheinbar vollkommener Stille. Ein zweiter Moment Ruhe, als ob mein Aufstehen dem Lärm Pause gebietet. Mein Schrei setzt ein. Ich verspüre wilde Schmerzen. Kreische, während sich mein Wimmern mit dem anderen vermischt – dem Jammern, Brüllen, Weinen.

Ich stehe auf meinen zwei Beinen. Nehme meine staubigen Socken, die zerschlissenen Sportschuhe und gehe zum Licht. An Sophie und Florentina vorbei.

»Hallo, Sophie«, sage ich und trete aus dem Halbdunkel unseres Lieblingsbaumes.
Meines Lieblingsbaumes. Meines. Meines.

 

 

Auszug aus: Stefan Karl. „Zwölf Senkrecht.“ iBooks.